Sobald die Keimung beginnt, darf die Abdeckung nicht mehr dicht auf dem Aussaatgefäß aufliegen. Feuchtwarme, sog. gespannte Luft ist zwar für die Keimung günstig, sie bietet jedoch auch den Schadpilzen gute Entwicklungsmöglichkeiten. Daher sollte man die Treibhausatmosphäre nicht länger als nötig aufrechterhalten. Bevor die Abdeckhaube oder die Glasplatte ganz entfernt wird, gewöhnt man die Sämlinge durch Unterlegen eines Hölzchens oder ähnlichem an die Umgebungsluft. Allerdings darf man mit dem Entfernen der Abdeckung nicht zu lange warten, denn sonst werden die Sämlinge schwach, überlang und anfällig für Krankheiten. In diesem Stadium sollten die Sämlinge aber immer noch nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden.

Nach dem Ausbilden der hinfälligen Keimblätter (Kotyledonen) und der beiden “echten”, häufig schon für die Pflanze charakteristischen Blätter, sollte man die jungen Pflanzen pikieren. Dies bedeutet nichts anderes, als daß sie einzeln in ein gesondertes Gefäß gepflanzt werden. Bei dieser Aktion ist ein sog. Pikierstab aus Plastik oder Holz, den es im Gartenfachhandel zu kaufen gibt, recht hilfreich. Mit dem schlanken Ende des Stabes werden die Sämlinge aus dem Substrat gelöst, welches feucht sein sollte, damit sich die Jungpflanzen leichter aus der Erde herauslösen lassen. Beim Herausholen der Keimlinge hält man diese dabei nicht am Stengel, sondern an einem Keim- oder “echtem” Blatt fest. Mit dem dickeren Pikierstabende werden Löcher in das Substrat des Aufzuchttopfes gebohrt, in welche die Sämlinge eingepflanzt werden. Als Substrat verwendet man schwach gedüngte Blumenerde, am besten spezielle Pikiererde, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Zu lange Wurzeln kürzt man vorsichtig etwas ein. Beim Umpflanzen ist zu beachten, daß die Pflänzchen so eingesetzt werden, daß die Keimblätter auf der Erdoberfläche aufliegen. Drücken Sie die Erde gefühlvoll seitlich an die versetzte Pflanze mit dem Pikierstab an, damit sie Halt bekommt. Anschließend ist gründlich zu gießen.

Durch das Pikieren wird erreicht, daß die Pflanzen ein reichverzweigtes Wurzelsystem entwickeln, denn hierbei wird durch bewußtes oder unbewußtes Abreißen, Abknipsen oder Abschneiden der Wurzeln die Seiten- und Haarwurzelbildung angeregt. Je mehr Haarwurzeln die Pflanze hat, desto mehr Wasser und Nährstoffe können die Wurzeln aufnehmen und um so schneller geht die Weiterentwicklung der Pflanze voran.

Die Pflanzen die ersten 4 bis 8 Tage vor Sonne und Zugluft schützen, bis sie sich vom Umpflanzschock erholt haben und sie angewurzelt sind. Die Temperaturen sollten bei 20 °C und höher liegen, da bei niedrigeren Temperaturen das Wachstum stark beeinträchtigt wird und bei einigen Pflanzenarten gänzlich aufhört.

Sämlinge von sukkulenten Eiskrautgewächsen (Mesembryanthemaceae) – hierzu gehören z.B. die Gattungen Argyroderma, Conophytum, Gibbaeum und Lithops – werden allerdings nicht pikiert. Sie beläßt man so lange wie möglich nach dem Auflaufen in der Aussaatschale (etwa 6 bis 12 Monate).