Die meisten Samen können ohne jegliche Vorbehandlung ausgesät werden, deren Samenschale ist porös genug, um das für die Keimung so wichtige Wasser aufnehmen zu können. Lediglich bei hartschaligen und größeren Samen (z.B. Samen von Strelitzien und Akazien) sollten wir ein wenig nachhelfen, die Keimung würde ansonsten u.U. viele Monate oder gar Jahre in Anspruch nehmen. Die Samenschale kann beispielsweise mit Schmirgelpapier aufgerauht, mit einer Rasierklinge angeritzt oder mit einer feinen Metallfeile angefeilt werden. Hierbei ist jedoch äußerste Vorsicht angebracht, der Embryo darf nicht verletzt werden, also die Samenschale nicht vollständig durchfeilen.

Ein häufig angewandtes Verfahren ist, die Samen in lauwarmem, keinesfalls heißem Wasser 1 bis 2 Tage einzuweichen. Hierfür sollten jedoch eher flache Gefäße verwendet werden, da sich bei der Quellung Atmungskohlendioxyd bildet, das aus tiefen Gefäßen nicht abfließen und die Sämereien zum Absterben bringen kann. Eine weitere Methode, die Samenschale wasserdurchlässig zu machen, ist eine Behandlung mit konzentrierter Schwefelsäure, Wasserstoffperoxid oder Blausäure.

Verwenden Sie für jede Pflanzenart am besten verschiedene Saatgefäße. Die unterschiedlichen Auflauftermine könnten sonst Probleme bereiten. Denken Sie auch daran, jedes Aussaatgefäß mit dem Namen der Pflanzenart oder -sorte zu etikettieren, damit später keine Verwechslungen vorkommen. Informationshalber können Sie auch das Datum der Aussaat notieren.

Bevor die Erde in die Saatgefäße kommt, legt man über die Abzugslöcher der Gefäße eine etwa fingerdicke Schicht aus Blähton oder Kies als Dränage, damit später überschüssiges Wasser ablaufen kann. Die Erde wird dann geglättet und in den Ecken festgedrückt. Wenn man die Gefäße kurz aufstößt, setzt sich das Substrat noch ein wenig. Anschließend werden die Samenkörner eingesät. Wichtig ist, daß ein ausreichender Abstand von ca. 1 cm eingehalten wird. Dabei sollte der Abstand bei groben Samenkörnern etwas größer sein, bei feinen Samen kann er etwas geringer ausfallen. Die Sämlinge müssen sich unbedrängt entwickeln können und dürfen später beim Herausholen und Umpflanzen nicht beschädigt werden.

Sehr feiner Samen läßt sich gleichmäßiger aussäen, wenn man diesen vor der Aussaat in der Samentüte mit feinem, trockenem Sand vermischt. Um zu verhindern, daß die Samen alle gleichzeitig herausrutschen, klemmt man die Tüte am besten zwischen Daumen und Mittelfinger ein und klopft leicht mit dem Zeigefinger dagegen. Grobes Saatgut legt man einzeln aus.

Nach der Aussaat drücken Sie am besten mit einem stempelartigen Brett, z.B. ein Holzbrettchen, an dem ein Griff aufgeschraubt oder aufgenagelt ist, die Aussaatfläche leicht an. Dies ist wichtig, damit das einzelne Samenkorn engen Kontakt mit der Aussaaterde bekommt, zügig quellen und keimen kann. Anschließend nimmt man ein feines Sieb und deckt ggf. die Samen mit Aussaaterde oder Sand ab.

Die Abdeckhöhe richtet sich nach der Größe der Samen. Nach einer Faustregel sollte die Abdeckhöhe ungefähr das 1- bis 2-fache der Samengröße betragen. Diese Regel gilt allerdings nicht für sehr feine Sämereien und Samen von Lichtkeimern, z.B. alle Streptocarpus-Arten. Diese werden nicht abgedeckt, hier genügt das Andrücken. Wird die Saat abgedeckt, so sind die Hinweise zur Abdeckhöhe unbedingt einzuhalten. Erfahrungsgemäß werden gerade hierbei häufig Fehler gemacht. Liegt der Samen zu tief, weil zuviel Erde aufgebracht wurde, besteht die Gefahr, daß der Keimling abstirbt, bevor er an die Oberfläche gelangt. Bei zu flacher Aussaat trocknet der Samen leicht aus, und der Keimling stirbt ebenfalls ab.

Nach der Aussaat muß gründlich, aber unbedingt vorsichtig angegossen werden. Grobe Sämereien kann man mit einer Gießkanne mit einer feinen Gießbrause angießen. Bei feineren Sämereien empfiehlt es sich, die Erde mit Wasser aus einer Sprühflasche leicht zu übersprühen. Wir ziehen es vor, nicht von oben her zu gießen, sondern die Aussaatgefäße in eine flache, mit Wasser gefüllte Schale zu stellen. So kann sich die Erde selbst mit Wasser vollsaugen und ein Wegschwemmen der Samen wird auf jeden Fall vermieden.

Das Aussaatgefäß deckt man sodann mit einer Glasscheibe, Klarsichtfolie oder -haube ab. Hierdurch schafft man eine luftgespannte Atmosphäre, die typische Treibhausluft, die in der ersten Anzuchtphase bis zur Keimung notwendig ist. Die Luftfeuchtigkeit ist gerade richtig, wenn unter der Abdeckung ein feiner Wasserfilm zu sehen ist. Dicke Tropfen sind hingegen ein Zeichen dafür, daß das Substrat zu naß ist. Heben Sie in diesem Falle die Abdeckung für 24 bis 48 Stunden etwas an, so daß das Substrat etwas abtrocknen kann. Bildet sich hingegen kein Wasserfilm, so ist das Substrat zu trocken.

Die meisten Samen können nach der Aussaat hell oder dunkel aufgestellt werden. Sie keimen bei Licht oder Dunkelheit gleichermaßen gut, sind also – wie der Botaniker sagt – “lichtindifferent”. Lichtkeimer stellt man hingegen hell auf. Dunkelkeimer (z.B. der “Elefantenfuß” Dioscorea elephantipes) stellen Sie am besten in einem dunklen Raum unter. Wenn die Keimlinge von Dunkelkeimern zu sehen sind, müssen allerdings auch diese Aussaaten unbedingt hell stehen.

  1. Aussaatschale mit Erde füllen. Dabei das Substrat an den Rändern leicht andrücken.
  2. Überschüssige Erde abstreichen
  3. Samen gleich- mäßig auslegen.
  4. Samen mit Holz- brettchen andrük- ken.
  5. Samen in dop- pelter Samenkorn- stärke absieben. Samen von Licht- keimern werden nicht abgedeckt!
  6. Aussaat gründ- lich, jedoch vor- sichtig anfeuchten (z.B. mit einem Wasserzerstäuber).
  7. Aussaat etikettieren (Name der Pflanzenart, Datum der Aussaat) 8. Aussaatgefäß mit einer Abdeckhaube als Verdunstungs- schutz versehen.