Die Frage, wie lange Samen keimfähig sind, ist so pauschal schwer zu beantworten. Es gibt Samen, die nur wenige Wochen keimfähig sind, wie z.B. Klivien-Samen (Clivia), andere wiederum behalten ihre Keimfähigkeit über ein Jahrzehnt hinweg, wie z.B. Samen von einigen Sukkulenten. Bei der Mehrzahl dürfte die Keimfähigkeit aber zwischen 1 bis 6 Jahren liegen. Eine Orientierungshilfe ist noch die Regel, daß Samen von Pflanzen aus regenarmen bzw. ariden Gebieten länger keimfähig bleiben als Samen von solchen Pflanzen, an deren Naturstandorten eher feuchte bzw. humide Wetterverhältnisse vorherrschen. Auch gilt, daß Samen, deren Nahrungsreserve überwiegend aus Kohlehydraten besteht, länger aufbewahrt werden können als fleischige Samen, deren Nahrungsvorrat sehr öl- und fetthaltig ist.

Ein möglicherweise schlechtes Keimergebnis kann aber nicht immer nur auf das Alter der Samen zurückgeführt werden, auch unzureichende äußere Keimungs- bedingungen könnten hierfür eine Ursache sein, wie z.B. zu hohe oder zu niedrige Aussaattemperatur, zu geringe Lichtintensität, zu feuchtes oder trockenes Substrat oder falsche Aussaatmethoden.

Maßgeblichen Einfluß auf die Keimfähigkeit des Embryos üben auch die Lagerbedingungen aus. Je länger Samen aufbewahrt werden, womöglich noch bei Temperaturen über 20 °C und hoher Luftfeuchtigkeit, desto mehr Nahrungsreserven werden für das Überleben verbraucht. Die Samenaktivität ist also auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn Sie die Samen nicht sofort nach Erhalt aussäen können oder wollen, so bewahren Sie diese kühl (um 10 °C) und unbedingt trocken auf – Lagern Sie die Samen am besten im Kühlschrank.

Viele Sämereien müssen erst einen Trocknungsprozeß durchmachen, bevor sie ihre volle Keimfähigkeit erreichen. Ein schlechtes Keimergebnis kann also evtl. nicht nur auf zu alte, sondern auch auf zu frische Samen zurückgeführt werden, was folgendes Beispiel belegt: Wissenschaftler haben die Keimfähigkeitsdauer von Samen der Sukkulente Lithops karasmontana var. karasmontana untersucht. Bei jedem Aussaatversuch wurden jeweils 50 Samen verwendet, die aus einer Fruchtkapsel stammten, und die man 30 Tage lang beobachtete:

Aussaattermin

Oktober 1969
März 1970
März 1971
März 1972
März 1973
März 1974
März 1975
März 1976
März 1977
März 1978

gekeimte Samen nach 30 Tagen

0
16
28
34
38
22
24
12
9
2

(Versuchsbedingungen: Aussaat im Gewächshaus, Tageslicht, Temperatur ca. 20 ºC, die Samen wurden Ende September 1969 gesammelt. Quelle: Rudolf Heinze, Lithops – lebende Steine, S. 28, Radebeul 1990)

Das Ergebnis dieser Versuchsreihe zeigt, daß das beste Keimergebnis mit etwa zwei bis drei Jahre alten Lithops-Samen erzielt wird, und daß Lithops ihre Keimkraft wenigstens für 8 Jahre behalten.

Unabhängig von der Haltbarkeit der Samen muß man bei Wildpflanzen jedoch grundsätzlich damit rechnen, daß je nach Art etwa 20 %, ja manchmal sogar bis zu 90 % des Samens nicht keimen wird. Es empfiehlt sich deshalb, immer etwas mehr auszusäen, als tatsächlich an Pflanzen benötigt wird.

Um die Keimfähigkeit zu testen, gibt es einige behelfsmäßige Methoden, von denen wir im folgenden zwei aufführen möchten:

  • Legen Sie die Samen in ein mit Wasser gefülltes Gefäß. I.d.R. sinken Samen, die noch einen lebensfähigen Embryo enthalten, zu Boden, während die übrigen an der Oberfläche bleiben – Leider ist diese Methode nicht für Sukkulentensamen geeignet.
  • Nehmen Sie aus einer Samenportion ein Korn heraus und schneiden es – falls es nicht zu klein ist – auf. Ein keimfähiger Same sollte innen prall und weiß sein. Ist er geschrumpft oder verfärbt, keimt er in den allermeisten Fällen nicht mehr.